11.11.2009
16:00

Nur mal kurz...

Roman Seibold, Senior Consultant und technischer Leiter der Schulungsabteilung von aformatik

...einen JAX-WS WebService mit JBoss 5.1 erstellen.

von Roman Seibold

Vorgeschichte: der WebService

"Nur mal kurz" geht in der IT gar nicht. Musste ich neulich wieder feststellen. Eigentlich ging es hauptsächlich überhaupt nicht um einen WebService, aber ich brauchte einen, um etwas anderes tun zu können. Ist ja jetzt ganz einfach, mit Java EE 5 und JAX-WS. Dachte ich. Der WebService, als POJO nicht als EJB, ist mit JAX-WS tatsächlich schnell geschrieben. Hier, auch was den Rückgabetyp betrifft, sehr vereinfacht dargestellt:

import javax.jws.WebMethod; 
import javax.jws.WebService;


@WebService
public class WebService
{
@WebMethod
public String getContent()
{
return "Juhu, tut!";
}
}

Das ist schon alles. Mit @WebService erkläre ich die Klasse zum Web-Service, mit @WebMethod wird klar, was als Operation für den Service im WSDL verfügbar wird.

Deployment

Jetzt beginnt der proprietäre Teil. Ein Java-EE-compliant Application- Server ist nur verpflichtet, einen Web-Access-Point für JAX-WS zur Verfügung zu stellen. Wie ist nicht gesagt. Das macht jeder Server anders, z.B. indem er einen automatisch aktivierten WebService- Router zur Verfügung stellt, wenn JAX-WS-Services erkannt werden. JBoss verfährt so nicht. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit WebServices umzugehen. Mein POJO-WebService wird nur von außen erreichbar, wenn ich ihn als Servlet (!) definiere. Das sieht im Deployment-Deskriptor so aus:

<servlet>

<servlet-name>JaxWSServlet</servlet-name>

<servlet-class>
com.aformatik.biblio.service.BiblioAccessService
</servlet-class>

</servlet>

<servlet-mapping>

<servlet-name>JaxWSServlet</servlet-name>

<url-pattern>/BiblioAccess</url-pattern>

</servlet-mapping>

Das war schon die erste, nicht ganz intuitive Hürde. Weiterhin ist mein Projekt folgendermaßen - eigentlich recht simpel - strukturiert:

WebServiceEAR.ear 
+-- WebServiceWeb.war


Das heißt, dass der WebService in einem Web-Modul definiert ist, das einem EAR-Modul zugeordnet ist. Das ganze schnell auf einen JBoss AS 5.1 deployed. Fehlerfrei. Gut.

Nur noch kurz...

Jetzt "nur noch kurz" den Client dazu... Geht eigentlich auch einfach. Man importiert das vom Server gemäß JAX-WS generierte WSDL-File und lässt sich die entsprechenden Client-Klassen erstellen und arbeitet damit. Die Frage ist nur: wo ist denn das WSDL-File? Angeblich gibt es bei JBoss eine URL unter der die deployten Services erreichbar sind. Bei mir sollte dies http://localhost:8080/jbossws/services sein. Tatsächlich, da ist auch was. Wenn man aber auf den Link zum Service klickt, dann kommt "Not Found". Hmmm...

Nach längerer Zeit wurde ich im "data"-Verzeichnis des Servers fündig, da liegt das generierte WSDL ebenfalls. Na gut, dann nimmt man halt das. Auf dieser Basis den Client generiert - und nichts tat. Not found. Ich habe also ein WSDL für einen Service, der angeblich verfügbar ist, aber nicht auf Zugriff reagiert. Das stimmte mich miß. Hier schloß sich nun eine längere Zeit für Recherche und Tests an. Offenbar war ich einem Problem begegnet, das noch niemand so hatte. Es ließ sich jedenfalls nicht auf die Schnelle im Internet etwas finden. Macht keiner WebServices, oder nicht mit JBoss, oder (noch) nicht mit JAX-WS?

Die Lösung

Auf einer einzigen, etwas versteckten JBoss-JIRA-Bug-Tracking Webseite, die eigentlich einen Bug im Zusammenhang mit JBoss ESB thematisierte, wurde ich fündig: die JBoss-native WebService-Implementierung hat einen Bug in der ausgelieferten Version 3.1.2. Der Bug kommt aber nur zur Geltung, wenn eine WAR-Datei, die einen Web-Service definiert, in einem EAR deployt wird. War bei mir ja der Fall. Lösung: die neuere Implementierung der WebServices 3.2.0 verwenden. Leider, leider ist die neueste Server-Version, die man von JBoss herunterladen kann, die 5.1 GA. Punkt. Kein Service-Release, kein sonstwas. Ist aber vom Mai, jetzt haben wir November. Haben die kein Release-Management? Na gut, dann basteln wir uns eben einen gepimpten Server. In einem Blog  fand ich, wie man eine andere WebService-Implementierung ("Metro") aktualisiert. Ich wollte aber die JBoss-native. In diesem Beitrag ist die Download-Adresse der Metro-Implementierung angegeben, wenn man aber versucht, einfach mal ins Verzeichnis zu schauen, um nach den anderen Implementierungen zu suchen, dann klappt das aus Berechtigungsgründen nicht. Man muss den Dateinamen schon wissen! Jetzt hilft mal wieder nur "inspiriertes Raten" und es klappte mit dem URL http://jboss.org/file-access/default/members/jbossws/downloads/jbossws-native-3.2.0.GA.zip. War jetzt auch nicht so schwer. Danach die Steps ausgeführt, die der Kollege mit dem unaussprechlichen Namen "Prakashbabu" vorschlägt, und - voila - JBoss bootet noch (!) und zeigt im Log:

JBoss Web Services - Native Server 
3.2.0.GA


Und, oh Wunder, jetzt tut sofort alles, wie beschrieben. Unter http://localhost:8080/jbossws/services/WebService?wsdl ist mein WSDL verfügbar, der Eclipse-Testclient und ein generierter Client-Code können sofort auf den Service zugreifen. Super! War ja auch ganz einfach. Naja, JAX-WS schon, nur der konkrete Teil mit Produkten und Versionen, der war mal wieder unschön.

Komisch aber schon, dass dieser Fehler kein größeres Echo hervorgerufen hat und dass die seit Mai verfügbare Download-Version von JBoss AS 5.1 immer noch diesen Bug beinhalten darf und dass es keine aktualisierte gibt. Das lässt schon den Verdacht etwas keimen, dass JAX-WS-WebServices noch nicht so verbreitet sind. Oder dass niemand die native Implementierung verwendet. Oder...

09.11.2009
16:02

Refactoring Snippet: Closure

Sebastian Petzelberger Senior Consultant bei aformatik

von Sebastian Petzelberger

Ein Refactoring Snippet zeigt ein kleines Problem auf und gibt eine kleine Lösung dazu an. Die Problemstellungen kommen aus der Projektarbeit. Die Snippets sollen kleine Hilfen sein. Außerdem sollen sie generell zum Refactoring anregen, aber auch zu einer Diskussion darüber einladen.

 

 

 

Refactoring Snippet: Closure

Vorstellung

Folgende Methodeninhalte kommen in dem Client-Code vor.

Ganz allgemein formuliert haben wir an einer Stelle:

	a();
x1();
b();

an einer anderen:

	a();
x2();
b();

usw. mit weiteren xn.

 

kleine Probleme

Redundanz: Das Problem ist hier bereits minimiert aufgeführt, weil die wiederkehrenden Aufrufe in den Methode a() und b() zusammengefasst sind. Ein Rest an Redundanz liegt noch vor.

Abhängigkeit: Hier nach dem Motto: "Wer a sagt, der muss auch b sagen!". Das halte ich für noch gewichtiger als die Redundanz. Obwohl oft entgegengehalten wird, dass doch jeder weiß, dass auf a() auch b() folgen muss. Aber genau das sollte der Code widerspiegeln. Es soll kein externes Wissen geben, sondern der Code soll exakt das sprechen, was eben zu sprechen ist. So verstehe ich gute Programmier-Sprache.

Fehleranfälligkeit: Eine Java-Methode darf - entgegen älterer Konventionen - mehrere Ausgänge haben. Diese werden bekannterweise mit return realisiert. Nun kann es passieren, dass bei einem Ausgang der Methode das b() nicht mehr erfolgt. Wenn eine Methode kurz und übersichtlich ist, wie sie sein sollte, kann dies noch recht einfach vermieden werden. In der Praxis können Methoden jedoch durchaus komplexer und unübersichtlicher werden und somit durchaus die Ausführung von b() mal unter den Tisch fallen.

Praktisch relevanter formuliert sieht das Problem wie folgt aus:

	open();
x1();
close();

kleine Lösung

Zuerst einmal wird ein Interface benötigt:

public interface Executor 
{
public void execute();
}

 

Dann wird eine Utility-Methode erstellt. Sie hat eine Instanz des Interfaces als Parameter und sorgt für die a/b Klammer, hier jetzt open/close.

public static void handle(Executor executor) 
{
open();
executor.execute();
close();
}

 

Jetzt können die Stellen im Client-Code verbessert werden, durch:

Executor executor =
new Executor()
{
public void execute() {x1();}
};

Utils.handle(executor);

 

Beurteilung

Vorteile: Auflösung der Redundanz. Keine Abhängigkeiten mehr. Im Client-Code wird nicht mehr geöffnet und geschlossen, und dadurch die Fehleranfälligkeit minimiert.

Nachteile: So klein ist die Lösung dann doch nicht. Der Code ist schwieriger zu verstehen.

Mein Urteil: Vielleicht gibt es mal in einer späteren Java-Version für die Umsetzung eine kürzere Notation. Es wird zwar viel beschrieben, aber inhaltlich eben eingespart. Ich bin für eine Einführung in ein Projekt, vor allem dann, wenn Probleme mit fehlendem close auftauchen. Da darf dann auch das Argument mit dem schwierigerem Code nicht ziehen, letztlich gehört die hier beschriebene Lösung zum Java-Standard. Es muss ja nicht jeder Mitarbeiter eine derartige Lösung selber entwickeln. Es muss nur die vorgefertigte Lösung anhand eines Beispiels nachvollzogen werden. Ich bin ein Pragmatiker und würde diese Lösung nicht für ein Projekt vorschlagen, wenn dies nur wenige Stellen betreffen würde.

praktisches Beispiel

Hier wird die Verbindung zu einer Datei verborgen. Auch möglich wäre eine derartige Einführung für die Verbindung zur Datenbank. Das Executor-Interface ist wie folgt deklariert:

import java.io.IOException;
import java.io.PrintWriter;

public interface WriteExecutor
{
public void execute(PrintWriter out) throws IOException;
}

Die Utility-Methode ist hier in einer Util-Klasse implementiert:

import java.io.FileWriter;
import java.io.IOException;
import java.io.PrintWriter;

public abstract class IOUtilsExample
{
public static void write(String filename,
WriteExecutor executor)
throws IOException
{
PrintWriter out =
new PrintWriter(new FileWriter(filename));
executor.execute(out);
out.close();
}
}

 

Jetzt der Client-Code:

WriteExecutor executor =
new WriteExecutor()
{
public void execute(PrintWriter out)
{
// jetzt kann mit out gearbeitet werden
}
};

IOUtilsExample.write("example.txt", executor);

 

Das Beispiel selbst ist natürlich noch nicht perfekt. Zum Beispiel kann hier eine Exception beim Schreiben dazu führen, dass das close() nicht aufgerufen wird. Aber der Nutzen des Closure Refactoring Snippet kommt dennoch sehr gut heraus.

04.11.2009
14:56

Noch mehr Property-File-basierte Konfiguration bei IBM WebSphere Application Server V7

Roman Seibold, Senior Consultant und technischer Leiter der Schulungsabteilung von aformatik

von Roman Seibold

In meinem letzten Beitrag zum Thema WebSphere habe ich von der neuen Möglichkeit des WebSphere Application Servers V7 berichtet, mit sogenannten Property-Dateien Konfigurationsdaten auszulesen und zu verändern. [Beitrag]

Heute möchte ich ein paar zusätzliche Worte zu diesem neuen Feature verlieren.

Zunächst einmal nochmals zur Erinnerung. Über wsadmin, und nur über wsadmin, der skriptgesteuerten Konfigurationsvariante des Applicationservers, konnte man sich mit

 

AdminTask.extractConfigProperties(
'-propertiesFileName demo.props')

eine Datei namens "demo.props" im Property-Format ("property=value" Paare) besorgen.
Ein besonderes Property-Format, weil Reihenfolgen auch eine Rolle spielten.

Wenn man sich die erzeugte Datei genauer ansieht, trifft man in manchen Zeilen auf merkwürdige Einträge, wie z.B. diesen hier:

 

WC_defaulthost=9080:!{hostName1} # integer

WC ist hier nicht das, woran man eventuell in einem ersten schwachen Moment denkt, sondern die bei IBM oft genutzte Abkürzung für "Web-Container". Der Web-Container-Default-Host hat also Port-Nummer 9080, eine Zahl, die gestandene WebSphere-Kenner nicht überraschen sollte.
Für ein Property liegt aber dennoch ein merkwürdiges Format vor, da nach dem Wert 9080 noch eine weitere Information folgt :!{hostName1}. Der Zusatz # integer ist ein Kommentar bezüglich des Wertebereiches für das Property.

hostName1 hingegen ist eine Variable, mit der die Property-Files erst so richtig interessant werden. Definiert werden die Variablen in frisch erzeugten Property-Files immer ganz am Ende. Dort findet man folgenden Abschnitt:

 

#
EnvironmentVariablesSection
#
#
#Environment Variables
hostName2=localhost
hostName1=*
cellName=was70host00Cell01
nodeName=was70host01Node01
hostName=was70host01
serverName=server1

Man könnte jetzt die Variablen-Sektion verändern, wenn man die Werte auf einen anderen Server aufspielen will. Interessanter ist aber, diesen Teil ganz aus der Property-Datei zu entfernen und in eine eigene Datei zu legen, die dann nur aus der Environment- Variables-Section besteht. Nennen wir das File "var.props". Hierin kann man dann auch eigene Variablen definieren, z.B.

 

WC_defaulthost_value=9080

Und in der anderen Datei - "demo.props" - die weiter oben zitierte Zeile anpassen

 

WC_defaulthost=!{WC_defaulthost_value}:!{hostName1}

Jetzt haben wir eine generischere Konfigurationsdatei und eine Datei, in der die Variablen gemappt werden. Beide kann man von wsadmin zusammenführen lassen und validieren. Nach erfolgreicher Validierung lässt sich alles wieder zurück in das Konfigurationsarchiv übertragen:

 

AdminTask.validateConfigProperties(
'-propertiesFileName demo.props
-variablesMapFileName var.props')
AdminTask.applyConfigProperties(
'-propertiesFileName demo.props
-variablesMapFileName var.props')
AdminConfig.save()

Man kann also mit -variablesMapFileName ein weiteres File angeben, in dem nur die Variablen und ihre derzeitige Belegung enthalten ist. Mit einer weiteren Option -variablesMap lassen sich sogar direkt im wsadmin-Command die Properties belegen.
Das ist natürlich nur sinnvoll, wenn man wenige Variablen hat, oder wenn wsadmin als Skriptfile (vielleicht sogar mit Parametern) ausgeführt wird und man die Map programmatisch füllen kann. Leider funktionieren die beiden Optionen nicht zusammen. Die Idee, die größere Anzahl an Variablen im Map-File bereits zu setzen und dann einige über die Command-Line nachträglich zu liefern, ist den WebSphere-Architekten offenbar nicht gekommen. Hier gilt ein striktes "Entweder-Oder", ansonsten erntet man NullPointerExceptions.

Trotzdem, schon bei diesem simplen Beispiel deutet sich an, wie flexibel und mächtig dieses neue Feature dennoch ist. Man kann komplette Konfigurationen vorgeben, die einige variable Teile enthalten und diese - und nur diese! - werden dann jeweils ersetzt. Viel einfacher als ein Skript,
viel wiederverwendbarer als eine Administration über die Web-Oberfläche.

Probieren Sie es einfach mal aus und schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen - wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

Bis dahin verbleibe ich mit konfigurativen Grüßen, Ihr

Roman Seibold