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18.02.2011
15:27

Smarte Geräte im Unternehmen. Ein Blick in die Glaskugel.

von Benjamin Reimold

Benjamin Reimold studiert angewandte Informatik an der dualen Hochschule Stuttgart und absolviert den praktischen Teil seiner Ausbildung bei aformatik Training & Consulting in Sindelfingen. Er beschäftigt sich intensiv mit der Entwicklung von mobilen Anwendungen unter Android und seit Kurzem auch unter iOS. Er ist Mitglied der Stuttgarter GTUG, sammelt in seiner Freizeit CDs, ließt gerne Fantasy-Literatur und würde am liebsten ständig auf den britischen Inseln Urlaub machen.

Dieser Tage fand in Barcelona mit dem „Mobile World Congress“ die weltweit größte Branchenveranstaltung zum Thema „Mobile Computing“ statt und auch sonst kommt zur Zeit kaum eine Publikation, sei es nun Website, Zeitschrift oder Zeitung, ohne einen Beitrag zu den Themen Tablets, iOS, Android, neuen Smartphone Modellen, der Allianz zwischen Nokia und Microsoft oder Tipps zu den besten/neuesten/verrücktesten Apps aus. Doch was bedeuten Smartphones, Tablets und der App-Hype für Unternehmen auf der einen und uns Entwickler und Consultants auf der anderen Seite?

Zunächst lohnt sich, wie so oft in den Hoch-Zeiten eines Hypes, ein Schritt zurück, inklusive tiefem Luftholen und einer Tasse Tee, um die teilweise doch hochemotional geführten Glaubenskriege um Apps, Plattformen und den Krieg der Ökosysteme etwas pragmatischer zu betrachten.

Blickt man in der Historie einmal knapp 10 Jahre zurück, so finden sich mit Blackberry OS, Symbian OS und Windows Mobile drei Plattformen, deren Wurzeln teilweise sogar in den späten 1990er Jahren liegen und die mehr oder minder nebeneinander mobilen Zugriff mittels PDA bzw. Mobiltelefon auf Firmenemail und Kalender, Dokumente oder, in besonders fortschrittlichen Nutzungsszenarien, auch erweiterte Funktionalität beispielsweise im Außendienst boten.

Seit Apple mit dem iPhone den Markt 2007 aufrollte und mit dem Konzept des AppStores das Spiel grundlegend änderte und, so kommt es dem geneigten Entwickler zumindest vor, zu DER Referenzplattform für Smartphones wurde, verkomplizierte sich die bis dato relativ leicht zu überblickende Situation der „smart devices“ in den Unternehmen. Am einfachsten lässt sich das nun aufkommende Phänomen mit einem Klischee beschreiben: Ein  Manager, der im privaten Umfeld iPhone und iPad kennenlernt ist von den Geräten so begeistert, dass er diese „smarten“ Geräte auch bei der Arbeit einsetzen möchte.
Dieses Phänomen stellt einen kompletten Paradigmenwechsel der Technologieadaption dar. Klassisch wurde Innovation von Unternehmen zuerst genutzt, um nach einiger Zeit vom Konsumentenmarkt aufgegriffen zu werden. Mit dem iPhone, das in dieser Hinsicht wirklich den ersten „Game Changer“ darstellt, finden Innovationen zunächst für den Konsumenten statt, um dann von unten nach oben in die Unternehmen vorzudringen. Dieses Phänomen lässt sich mit dem Anglizismus „consumerised IT“ sehr gut zusammenfassen.
Verkompliziert wird dieser neue Prozess zusätzlich durch die Vielfalt der mobilen Plattformen und die rasante und undurchsichtige Entwicklung des noch jungen Marktes. Android, vor einem Jahr noch kaum in der Praxis vertreten und nur in der „Szene“ bekannt, trat einen rasanten Siegeszug im Konsumentenmarkt an (Marktanteil laut statcounter.com knapp über 20%). Windows Phone 7, HPs webOS, Symbian und MeeGo von Nokia – all diese Plattformen buhlen um die Gunst des Konsumenten und letztlich, stehend und fallend mit ihrer Verbreitung, auch um die Gunst der Unternehmen. Erkannt hat dies zum Beispiel Samsung, die ein eigenes Vetriebs- und Support-Team für Firmenkunden aufbauten und gezielt ihre Smartphones und Tablets mit dem Android OS an die Firmen bringen möchten.

War bisher lediglich der Managementebene der Einsatz der Smartphones und Tablets vorbehalten, so lässt sich in den letzten Monaten ein gesteigertes Interesse am unternehmensweiten Einsatz beobachten.

An dieser Stelle möchte ich kurz anmerken, dass ich auf die auftretenden Sicherheits- und Administrationsprobleme an dieser Stelle nicht eingehen möchte, dieser Blogeintrag ist auch so lang genug. ;-)

Hierbei zeigt sich für mich eine interessante Entwicklung. Musste man vor ein bis eineinhalb Jahren noch die Formfaktoren erklären (vom iPad war zu dieser Zeit ja nicht mehr als ein Gerücht an die Öffentlichkeit gedrungen), so ist nun die Attraktivität der Formfaktoren „Smartphone“ und „Tablet“ allgemeiner Konsens.
Schwieriger sieht es da schon mit dem Einsatz der Geräte aus. Mehr als E-Mail, Websurfen, soziale Netzwerke (Facebook, Twitter, ...) sowie vereinzelter Dokumentenzugriff ist bisher im Business-Umfeld kaum zu sehen. Sicher, Apps werden als allgegenwärtige Marketingmöglichkeit verstanden. Nicht im „AppStore“ vertreten zu sein möchte sich kaum eine Marke heute leisten.
Die Realität sieht jedoch, betrachtet man die Nutzung von Apps im Geschäftsumfeld, relativ nüchtern aus: Serviceangebote von Bahn und Verkehrsnetzen, Check-in über die Lufthansa-App, Notizzettel, Wetterinformationen, Maps und Navigation – im Business-Einsatz sind nur wenige Applikationen von Relevanz . Ein Grund ist sicherlich, dass gerade größere Firmen langsamer, aber auch langfristiger planen und den Einsatz vieler Apps schlicht weg nicht erlauben.

Gerade hier sehe ich nun das immense Potential der mobilen, smarten Geräte: Noch nutzen nur sehr wenige Apps die Hardware richtig aus.

Was wäre, wenn der Außendienstmitarbeiter Inhalte und Funktionalitäten des Intranet-Portals mit einer angepassten GUI, offline, unterstützt durch GPS, der Kamera als Barcode-Scanner oder einfaches OCR-System nutzen könnte? Was wäre, wenn der Teamleiter oder Lagermitarbeiter mit einem hosentaschentauglichen
Gerät neben der Speisekarte der Kantine auch noch auf seine Reisekostenabrechnung, seine Urlaubsplanung und den firmeninternen Kleinanzeigenmarkt zugreifen könnte? Gleichzeitig können mittels „Near Field Communication“-Chip Warensendungen aufgenommen und gescannt werden. Über Spracherkennung lassen sich Texte nahezu freihändig diktieren und Formulare ausfüllen. Und das alles in einem Gerät, das ab 300,-€ verfügbar ist, mit einem Gewicht von 100-160g in jede Jacken- oder Hosentasche passt und das einen 10 Stunden Arbeitstag ohne Ladepause durchsteht.
Die Vielzahl an Möglichkeiten ist teilweise schier unfassbar, manchmal gar unwirklich.

Sicherlich ist, bevor diese Visionen Wirklichkeit werden können, eine genaue Analyse, welche Plattform und welcher Formfaktor zum Einsatz kommen soll, nötig, doch ich konnte hoffentlich auch so schon ein wenig zeigen, welche Möglichkeiten hier offen stehen. Nicht umsonst bezeichnen manche die smarten Geräte als „mobile Revolution“.

Erste Praxiseinsätze, zum Beispiel die Deutsche Bahn mit ihrer Anwendung für Zugbegleiter (http://mobile360.de/deutsche-bahn-nutzt-android-32457.html), gibt es schon. Sie zeigen, dass eine App mehr sein kann als nur ein neues Interface für die Firmen-Webseite oder den Produktkatalog.
Es liegt also an uns, den Entwicklern, den Unternehmen die wirklichen Möglichkeiten und das enorme Potential vor Augen zu führen. Ohne einen wirklichen Mehrwert, wie beispielsweise die neuen Hardware-Features in die Apps zu integrieren, die  wird das sicherlich nicht zu schaffen sein, doch zeigen uns bereits jetzt Umsetzungen und vielleicht auch dieser Blogeintrag ein wenig, wo die Reise hingeht.

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